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Gender Pay Gap: Glossar der gendergerechten Sprache


Mit der sich verändernden Wirklichkeit verändert sich auch die Sprache.

Geschlechtergerechtigkeit, Gender Mainstreaming, Gender Pay Gap: Diese neuen Bezeichnungen weisen darauf hin, dass sich die Art und Weise, wie wir die Welt sehen und beschreiben, geändert hat. Neue Situationen und Erfahrungen verlangen nach neuen Bezeichnungen. Neue Wörter müssen gefunden werden und manchmal müssen Anleihen aus anderen Sprachen und Kontexten gemacht werden, um die sich verändernde Wirklichkeit beschreiben zu können, um dem Neuen seinen (sprachlichen) Platz zu geben. Sprache und Wirklichkeit sind untrennbar miteinander verbunden, sie verändern sich gemeinsam, sie beeinflussen sich gegenseitig, sie nehmen aufeinander Bezug und stellen so immer wieder ein neues Gleichgewicht her. In einer Welt, in der das, was nicht benannt werden kann, nicht existiert, ist es von entscheidender Bedeutung, nach Wörtern und Bezeichnungen für neue Umstände und Sachverhalte zu suchen.

Von der UN-Weltfrauenkonferenz in Peking (1995) bis hin zu den jüngsten nationalen und internationalen gesetzlichen Regelungen und Initiativen in Bezug auf die Chancengleichheit ist es offensichtlich, dass eine geschlechtergerechte Kultur der Ausgangspunkt für all jene politischen und gesellschaftlichen Maßnahmen ist, die auf Gerechtigkeit, Gleichheit, Förderung und Unterstützung sowohl von Frauen als auch von Männern abzielen.

Bis zum heutigen Tage wurde ein weiter Weg zurückgelegt, ein weiter Weg liegt aber noch vor uns. Um sich innerhalb dieser neuen Sprache, die Zeichen eines kulturellen Wandels ist, dessen Protagonistinnen und Protagonisten wir alle sind, zurecht zu finden, kann es hilfreich sein, ein GLOSSAR zur Hand zu haben, das uns hilft, den Begriff Gender besser verstehen und anwenden zu können.



Verwendete Quellen:

- Europäische Kommission, 100 Begriffe aus der Gleichstellungspolitik. Glossar der Gleichstellung zwischen Frauen und Männern
- Glossar der Webseite www.afi-ipl.org



Aufteilung der Berufsfelder
Geschlechtsspezifische Konzentration von Frauen und Männern in unterschiedlichen Berufsfeldern bzw. auf unterschiedlichen Tätigkeitsebenen, wobei sich die Frauen im Vergleich zu den Männern auf ein engeres Spektrum von Berufen beschränken (horizontale Segregation) und häufiger auf niedrigeren Ebenen anzutreffen sind (vertikale Segregation).


Diskriminierung, Direkte (Unmittelbare)
Benachteiligung einer Person aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer religiösen, sexuellen usw. Orientierung.


Diskriminierung, Indirekte (Mittelbare)
Umstand, dass durch ein Gesetz, eine Regelung, eine Politik oder eine übliche Praxis, das bzw. die dem Anschein nach geschlechtsneutral ist, eine Person aufgrund ihres Geschlechts eine unverhältnismäßige Benachteiligung erfährt, sofern die unterschiedliche Behandlung nicht durch objektive Kriterien gerechtfertigt ist (Richtlinie des Rates 76/207/EWG vom 09.02.76, ABI. Nr. L 39).


Empowerment
("Ermächtigung" zu eigenverantwortlichem Handeln) Prozess, in dessen Verlauf sich eine Person Zugang zu Möglichkeiten verschafft und sich Fähigkeiten aneignet, die sie in den Stand versetzen, ihr eigenes Leben und das der Gemeinschaft, in der sie lebt, in wirtschaftlicher, sozialer und politischer Hinsicht aktiv mitzugestalten. Zusammen mit Gender Mainstreaming ist der Begriff einer der Schlüsselkonzepte, die im Rahmen der 4. UN-Weltfrauenkonferenz (Peking 1995) lanciert wurden. Mittlerweile ist Empowerment eines der Schlagwörter innerhalb der internationalen Frauenbewegung.


Gender budgeting
Geschlechtsdifferenzierte Analyse des öffentlichen Haushalts. Der gesamte öffentliche Haushalt und seine einzelnen Teile haben Auswirkungen auf die Gleichstellung von Frauen und Männern. Mit der Verteilung von Ressourcen im Haushaltsplan werden Aufgabenstellungen definiert und (politische) Prioritäten gesetzt.


Gender Mainstreaming
Systematische Einbeziehung der jeweiligen Situation, der Prioritäten und Bedürfnisse von Frauen und Männern in allen Politikfeldern, wobei mit Blick auf die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern sämtliche allgemeinen politischen Konzepte und Maßnahmen an diesem Ziel ausgerichtet werden und bereits in der Planungsphase wie auch bei der Durchführung, Begleitung und Bewertung der betreffenden Maßnahmen deren Auswirkungen auf Frauen und Männer berücksichtigt werden (Mitteilung der Kommission KOM (96) 67 endg. vom 21.02.96). Zusammen mit Empowerment ist der Begriff einer der Schlüsselkonzepte, die im Rahmen der 4. UN-Weltfrauenkonferenz (Peking 1995) lanciert wurden.


Geschlechterrollen – Gender Roles
Die Frauen und Männern zugewiesenen und, wie unter dem Stichwort „Geschlechtervertrag“ beschrieben, vermittelten und verfestigten geschlechtsspezifischen Verhaltensmuster.


Geschlechterstereotypen
(Vereinfachte) Vorstellung über relevante Eigenschaften einer Personengruppe, die im Verlauf der Sozialisation als kognitive Wissensbestände übernommen werden. Merkmale wie Geschlecht, Rasse und Alter vereinfachen die Orientierung und Wahrnehmung der Wirklichkeit und stellen Urteile und Entscheidungen auf der Basis eines raschen Überblicks über begrenzte Informationen bereit. Geschlechterstereotype sind schematische, auf bestimmte Normvorstellungen fixierte Zuschreibungen von Tätigkeiten und Eigenschaften von Frauen und Männern, durch die Verhaltensmöglichkeiten je nach Geschlechtszugehörigkeit abgesteckt und Alternativen ausgeblendet werden.


Geschlechterverhältnisse – Gender Relations
Die Beziehungen und die ungleiche Aufteilung der Macht zwischen Frauen und Männern, die für eine bestimmte Geschlechterordnung charakteristisch sind (siehe Geschlechtervertrag).


Geschlechtervertrag – Gender contract
Implizites und explizites Regelwerk, durch das die Beziehungen zwischen den Geschlechtern geregelt und Frauen und Männern unterschiedliche Arbeiten und Werte, unterschiedliche Verantwortlichkeiten und Pflichten zugewiesen werden. Dieses Regelwerk funktioniert auf drei Ebenen: als kultureller Überbau in Form der Normen und Werte der Gesellschaft, auf der Ebene der Institutionen – Familienfürsorge, Bildungswesen, Beschäftigungssysteme usw. – und im Rahmen der vor allem innerhalb der Familie stattfindenden Sozialisierungsprozesse.


Geschlechtsspezifische Lohngefälle – Gender Pay Gap
Diskrepanz zwischen dem Durchschnittsverdienst der Männer und dem der Frauen, die entweder auf eine (horizontale und vertikale) Segregation in der Beschäftigung oder auf eine direkte bzw. indirekte Diskriminierung zurückzuführen ist.


Gläserne Decke (“Glass ceiling”)
Die aus komplexen Strukturen in männerdominierten Organisationen resultierenden unsichtbaren Schranken, die Frauen am Aufstieg in Führungspositionen hindern.


Gleiches Entgelt bei gleichwertiger Arbeit – Equal pay for Work of Equal Value
Gleichheit des Arbeitsentgelts in Bezug auf sämtliche Entgeltbestandteile und -bedingungen bei einer als gleichwertig anzusehenden Arbeit, ohne Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder des Familienstands.


Gleichheit von Frau und Mann– Gender Equality
Gerechte Behandlung der Angehörigen beider Geschlechter. Dabei kann es sich um eine Gleichbehandlung handeln oder um eine Behandlung, die zwar unterschiedlich ist, die jedoch, was Rechte, Leistungen, Pflichten und Chancen anbelangt, als gleichwertig angesehen werden kann.


Horizontale Segregation
Die Konzentration von Frauen und Männern in unterschiedlichen Sektoren und Berufen (siehe Aufteilung der Berufsfelder).


Nach Geschlecht aufgeschlüsselte Daten
Nach dem Geschlecht getrennte Erfassung statistischer und sonstiger Daten zum Zwecke einer vergleichenden/geschlechtsspezifischen Analyse.


Nach Geschlecht aufgeschlüsselte Statistiken
Nach dem Geschlecht getrennte Erfassung statistischer und sonstiger Daten zum Zwecke einer vergleichenden/geschlechtsspezifischen Analyse.


Soziales Geschlecht – Gender
Für den aus dem Englischen stammenden Begriff gender gibt es im Deutschen bislang keine allgemein eingeführte Entsprechung. Der Begriff verweist darauf, dass Geschlechtsidentität nicht angeboren, sondern sozio-kulturell durch diskursive Zuschreibung erworben wird. Die bestehenden sozialen Unterschiede zwischen Frauen und Männern werden erlernt, können sich im Laufe der Zeit ändern und können sich sowohl innerhalb ein und derselben Kultur als auch zwischen verschiedenen Kulturen stark voneinander unterscheiden.


Vertikale Segregation
Konzentration von Frauen und Männern in unterschiedlichen Rängen, Hierarchieebenen und Positionen (siehe Aufteilung der Berufsfelder).