Hintergrundinformationen zum Equal Pay Day
"Frauen haben mehr verdient!" Unter diesem Motto steht der Equal Pay Day, der Tag der gleichen Löhne, der in diesem Jahr erstmals auch in Südtirol begangen wird. Am 16. April 2010 werden der Landesbeirat für Chancengleichheit und das Frauenbüro auf dem Kornplatz einen Informations- und Proteststand einrichten.
Was ist der Gender Pay Gap?
Gender Pay Gap definiert den Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttolohn eines Arbeitnehmers und dem einer Arbeitnehmerin. In Italien liegt dieser bei ca. 17%. In Europa liegt der Durchschnitt bei ca. 18%. In Deutschland oder Österreich liegen die Unterschiede mit 23,2 und 25,4% noch weitaus höher.
Die
direkte Diskriminierung – also ungleiches Gehalt für gleiche Arbeit – ist gesetzlich verboten. Trotzdem sind Frauen weiterhin
indirekt diskriminiert: Sie erhalten nicht den gleichen Zugang zu Berufen und Positionen, ihre Arbeit wird schlechter bewertet und damit werden Frauen auch für gleichwertige Arbeit schlechter bezahlt!
Unterschiedliche Zahlen – Welche stimmt?
Das europäische Statistikamt hat kürzlich neue Daten zur Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern in Europa veröffentlicht, die aufhorchen ließ: Italien ist Spitzenreiter – jetzt einmal im positiven Sinn. Mit einer Gehaltsschere von knapp 5% lässt Italien sogar die ansonst in Gleichstellungsfragen stets als Vorreiter angesehenen Länder wie Finnland (20%) und Schweden (17%) hinter sich.
Eine neue Studie von Unioncamere, der nationalen Handelskammer, zufolge, liegt die Gehaltsdifferenz bei 17%, das nationale Statistikamt Istat hingegen spricht von 7%.
Welche Zahlen stimmen?
Paola Villa, internationale Expertin mit Lehrstuhl an der Fakultät für Wirtschaft der Universität Trient, mahnt in der jüngsten Ausgabe der Newsletter des Arbeitsförderungsinstituts AFI/IPL zu Vorsicht bei der Interpretation der Istat-Ergebnisse: Der Lohnunterschied wurde ausschließlich an den erwerbstätigen Frauen berechnet – und wir wissen, dass Italien hinsichtlich der Frauenerwerbsquote ein Schlusslicht in Europa darstellt.
Unterschiedliche Zahlen sind darum vor allem auf unterschiedliche Berechnungsmethoden zurückzuführen. Eines zeigen die Zahlen aber allesamt: Obwohl der gleiche Lohn für Frauen und Männer bereits 1957 in EU-Vertrag festgeschrieben wurde und in den meisten Verfassungen Europas verankert ist, werden Frauen im Arbeitsleben noch immer schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen.
Woher kommt der Equal Pay Day?
Ursprünglich kommt der Tag für gleiche Bezahlung aus den USA. Dort riefen 1988 die amerikanischen Business and Professional Women (BPW/USA) die
Red Purse Campaign – zu deutsch:
Rote Taschen-Kampagne – ins Leben, um auf die Lohnkluft hinzuweisen. Die
roten Taschen sind das Symbol für die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen.
Warum verdienen Frauen weniger als Männer?
- weil sie
diskriminiert werden
- weil ihre Arbeit
unterbewertet wird. Statistiken zeigen klar, dass Frauen schwerpunktmäßig in Branchen und Berufen arbeiten, die schlechter bezahlt werden (Handel, Fremdenverkehr, Landwirtschaft)
- weil sie sich selten der
Karriere widmen können, da noch immer Frauen die Hauptverantwortung für die Vereinbarung von Familie und Beruf tragen
- weil
Tradition und
Stereotypen Frauen dazu verleiten, Ausbildungs- und in Folge Arbeitswege auszuwählen, die sie in geringer bezahlte und gesellschaftlich weniger anerkannte Berufe verbannen
- weil die
nicht bezahlte Arbeit, die sie für die Familie leisten, ihnen nicht ermöglicht, sich im gleichen Maße wie Männer der bezahlten Arbeit zu widmen. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW zeigt, dass jede Stunde Hausarbeit pro Werktag mehr das Monatseinkommen durchschnittlich um drei Prozent reduziert. ("Mehr Hausarbeit, weniger Verdienst", Wochenbericht Nr. 6/2009).
Einige Fakten zu den Gehaltsunterschieden:
-
Beim Berufseinstieg ist der Gender Pay Gap am niedrigsten, steigt dann aber an: Frauen mit einer Berufserfahrung von bis zu 3 Jahren verdienen 18,7%, mit 4 bis 10 Jahren Berufserfahrung um 21,8% weniger als ihre männlichen Kollegen.
- Die
geschlechtsspezifische Lohndifferenz hat sich in den vergangenen 15 Jahren kaum verringert, zum Teil sogar zugenommen. Laut einer Studie der London School of Economics wird die weltweite Angleichung der Gehälter von Frauen und Männern erst in 150 Jahren erreicht werden.
- Die
Beseitigung der Lohnunterschiede ist wichtiges Bestandteil der Wirtschafts- und Beschäftigungsstrategie Europas 2020 und für EuropäerInnen das zweitwichtigste Aktionsfeld der EU. Mit der Unterzeichnung der
Charta für Frauen am 5. März 2010 hat die Kommission ihr verstärktes Engagement für die Gleichstellung von Frau und Mann in sämtlichen Politikbereichen erneut bekräftigt.
- Eine schwedische Studie zeigt, dass die Beseitigung der geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Beschäftigung zu einem
Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 15 – 45% führen kann.
- Die schlechtere Bezahlung im Arbeitsleben führt
jede fünfte Frau in die Altersarmut!
Weiterführende Informationen:
www.provinz.bz.it/arbeit/frauen
www.frauen-arbeit.bz.it
www.afi-ipl.org
ec.europa.eu/equalpayday
www.equalpayday.de