"Wie reich sind unsere Kinder wirklich?"
"Wie reich sind unsere Kinder wirklich?" - Mit dieser Frage beschäftigte sich die Plattform für Alleinerziehende im Rahmen einer Tagung am 14. Mai 2010 im Bozner Kolpinghaus. Rund 60 Personen folgten der Einladung.
Die Tagung, welche von der Plattform für Alleinerziehende in Kooperation mit anderen sozialen Organisationen und mit Unterstützung des Amts für Familie, Frau und Jugend organisiert wurde, hat verschiedene Aspekte von Kinderarmut aufgezeigt.
Mit ihrem Referat
"Arme Kinder fallen nicht vom Himmel" hat
Dr.in Michaela Moser Ursachen und Strategien zur Bekämpfung von Kinderarmut in Europa aufgezeigt. "Kinderrechtskonventionen sollten nicht nur erarbeitet, sondern auch umgesetzt werden," fordert Moser. "Demokratiepolitische Verbesserungen sollen geschaffen werden, um die Gesellschaft schon im Kleinen mitgestalten zu können."
Statistische Fakten zur Kinderarmut in Südtirol lieferte anschließend
Dr. Herrmann Atz vom Apollis-Institut. "Laut der letzten Erhebung von 2003 sind besonders Alleinerziehende, Familien allgemein und RentnerInnen sowie MigrantInnen von Armut betroffen," so Atz. "Die Landesarmutskommission hat sich bereits vor einigen Jahren mit der Ausarbeitung von Maßnahmen gegen die Bekämpfung von Armut auseinander gesetzt."
Nach dem Theaterstück
"Zwischenruf in Bildern" vom
Theaterpädagogischen Zentrum Brixen (Montessori, Kl.3C) folgten Kurzreferate von VertreterInnen sozialer Organisationen:
Brigitte Waldner (Sozialdienste),
Dr. Leonhard Voltmer (Caritas Flüchtlingsberatung),
Dr.in Christa Ladurner (Forum Prävention),
Dr.in Verena Bertignoll und
Katharina Haller (Mitarbeiterinnen der Katholischen Jungschar). "Die Referate zeigten verschiedene Aspekte der Kinderarmut auf und schlugen Maßnahmen zur Prävention vor," so
Ida Lanbacher, Präsidentin der Plattform für Alleinerziehende.
Durch den Nachmittag führte
Dr. Bernd Karner von der Weiterbildungsorganisation Chiron. Die Anwesenden arbeiteten in Arbeitsgruppen verschiedene Vorschläge aus, welche den VertreterInnen der Politik übergeben werden und auch für die Plattform für Alleinerziehende ein Zukunftsprogramm bilden.
"Die Familien leiden vor allem an den zu hohen Lebenshaltungskosten in Südtirol. Familie und Beruf lassen sich nur schwer vereinbaren und das Kindergeld ist immer noch zu niedrig," erklärt Lanbacher die Problematik. Die TeilnehmerInnen der Tagung beschränkten sich nicht aufs Kritisieren, sie hoben auch positive Aspekte, wie etwa die gut funktionierenden Sozialdienste und insbesondere auch die Unterhaltsvorschussleistung des Landes hervor und erarbeiteten Lösungsvorschläge. "Das Kindergeld soll unabhängig vom Einkommen ausbezahlt werden, Kinderbetreuung sollte ganztägig kostenlos gewährleistet werden. Aber auch die Wirtschaft ist gefordert, sozialpolitisch tätig zu werden, dadurch wäre Familienfreundlichkeit sowie Wirtschaftlichkeit gewährleistet," erklärt die Präsidentin Ida Lanbacher.
"Wenn Kinder unser Reichtum sind, darf es nicht sein, dass Kinder haben uns ärmer macht."
Weitere Informationen: www.alleinerziehende.it